Wenn Trommelschläge durch Roggendorf/Thenhoven klingen, bleiben manche kurz stehen, andere öffnen das Fenster. Musik im Veedel hat etwas Verbindendes. Seit September 2023 bin ich ein Teil davon – im Spielmannszug Kölns RoThe 2014.
Musik begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Mein Name ist Clementine Beier und ich musiziere seit rund zwei Jahren im Spielmannzug Kölns RoThe. Mit vier Jahren begann ich mit musikalischer Früherziehung. Es folgten Blockflötenkreis, Kinderchor, Klavierunterricht, später Cello, Kammermusik, Orchesterprojekte, Kirchenorgel und vieles mehr. Ein Meilenstein war für mich der Moment, als ich mit acht Jahren zum ersten Mal im Orchester mitspielen durfte. Dieses Gefühl, nicht alleine zu musizieren, sondern Teil eines gemeinsamen Klangkörpers zu sein, hat mich geprägt – bis heute.
Musik war für mich immer Hausmusik, Profimusik, Schulmusik und Gemeinschaftsmusik zugleich. Vielleicht habe ich mich auch deshalb beruflich für das Lehramt entschieden für die Fächer Deutsch, Mathematik, Religion und natürlich Musik. Die bekam ich während der Zeit des Studiums in der Philharmonie in Köln Abend für Abend zu hören, wo ich an der Garderobe und im Konzertsaal die Gäste betreute. So durfte ich Musik auf höchstem Niveau erleben. Mich reizte nicht nur eine Nische, sondern die Vielfalt.
Zugegeben - ein Spielmannszug war für mich zunächst Neuland. Meine musikalische Prägung war eher klassisch. Doch genau das hat mich neugierig gemacht. Schon beim ersten Probenabend wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Takt und Tonhöhe. Hier geht es um Gemeinschaft und darum gemeinsam einen Klang zu formen, der draußen im Veedel spürbar wird. Wenn die Lyren hell aufblitzen, die Trommeln den Puls vorgeben und sich Schritt für Schritt alles zu einem Ganzen fügt, entsteht etwas, das größer ist als jede einzelne Stimme. Man hört nicht nur Musik, man trägt sie miteinander.
Musik ist auch in meiner Familie ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Wir leben seit 2003 in Roggendorf/Thenhoven. 2007 kam das erste Kind, 2009 der zweite Sohn. Meine Kinder sind ebenfalls musikalisch aktiv. Und so kam es, dass einer meiner Söhne neben dem Klavierspiel gerne das Lyraspiel kennenlernen wollte. So kamen wir zum Spielmannszug Kölns RoThe und konnten weitere Kontakte in einem neuen Umfeld knüpfen.
Das gemeinsame Musizieren mit meinem Sohn empfinde ich dabei als ein besonderes Geschenk. Proben werden zu gemeinsamer Freizeit. Auftritte werden zu Erlebnissen, über die wir noch lange sprechen. Musik schafft hier eine Verbindung, die über Generationen hinweg trägt. Wir fanden auch schnell unseren Einstieg. Wer drei Titel auswendig spielen kann, darf mit auf die ersten Auftritte. Das geht selbst bei Ungeübten schneller als man denkt.
Im Spielmannszug treffen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es wird konzentriert geprobt, aber auch gelacht, Trauriges und Fröhliches miteinander geteilt. Musikstücke, die ich zuvor oft nur gehört hatte – Märsche, bekannte Melodien aus dem Karneval oder von Stadtteilfesten – selbst mitzuspielen, ist etwas ganz anderes, als am Straßenrand zu stehen. Plötzlich trägt man den Rhythmus selbst durch die Straßen.
 © Markus Helmes |
Der Jahreslauf ist in so einem Spielmannszug noch mal ganz anders strukturiert. Bei einem Chor oder Orchester probt man in der Regel für zwei Konzerte im Jahr, im Sommer eins und zu Weihnachten. Ein Spielmannszug ist dichter am Alltag mit Karneval, Schützen- und Brauchtumsfesten, Sankt Martin und Weihnachten nicht zu vergessen.
Kölns RoThe ist seit 2014 im Kölner Norden aktiv. Der Verein probt ganzjährig und ist bei vielen Veranstaltungen im Stadtteil und darüber hinaus unterwegs – bei Karnevalszügen, Festen oder besonderen Anlässen. Dabei spürt man, wie wichtig solche Vereine für ein Veedel sind. Sie schaffen Begegnung. Sie halten Tradition lebendig. Man kennt sich innerhalb der Vereine. Das schafft Zusammenhalt und Zugehörigkeit im „Dorf“. Und sie geben Menschen die Möglichkeit, sich einzubringen – unabhängig vom Alter oder von musikalischer Vorbildung.
Für mich persönlich bedeutet das Engagement im Spielmannszug eine Erweiterung meiner musikalischen Welt. Ich erlebe Musik nicht nur im Konzertsaal oder im Klassenraum, sondern auf der Straße, im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort. Wenn man durch die vertrauten Straßen marschiert und Nachbarn am Rand stehen, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit.
Es ist schön, im eigenen Stadtteil neben der Chorfamilie eine weitere musikalische Heimat gefunden zu haben. Für mich ist es bereichernd zu erleben, wie selbstverständlich im Spielmannszug Generationen miteinander musizieren. Vielleicht hören Sie uns ja bei einem unserer nächsten Auftritte. Vielleicht bekommen Sie dann selbst Lust, Teil unserer Gemeinschaft zu werden.
Quelle: WORRINGER Nachrichten Nr. 2 | Juni 2026, Seite 28